Der G-Punkt – Nur ein Mythos?

Immer wieder hört man Mythen und Behauptungen über den sogenannten „G-Punkt“. Der G-Punkt ist der verborgene Schatz, den die Männerwelt finden muss, um die sexuelle Erfüllung der Frau auszulösen. Doch gibt es ihn wirklich oder handelt es sich um eine erfolglose Suche nach dem heilen Gral?

Was wissen wir über den G-Punkt?

In den letzten 75 Jahren hat sich das Wissen über die weibliche Sexualität und die Befriedigung der Frau durch umfangreiche Forschungen deutlich erweitert und verbessert, da wir aufgrund von Fortschritten interdisziplinärer Forschungen zunehmend mehr Detailwissen über die Anatomie des Menschen erfahren. Wir haben heute einen viel detaillierteren Überblick über den Körper der Frau als noch vor 50 Jahren. Viele Bereiche der weiblichen Genitalien befinden sich im Körper verborgen und sind nicht auf dem ersten Blick zu erkennen. Die Genitalien lassen sich zum Teil ertasten oder mit Hilfsmittel, wie einem Spekulum, untersuchen.
So scheint auch der G-Punkt einer der verborgenen Teile des weiblichen Körpers. Bei ihm kommt es jedoch (genau wie im richtigen Leben auch) auf das Zusammenspiel von inneren und äußeren, sichtbaren und verborgenen Bereichen an.

Erstmals wurde 1950 von der Gräfenberg-Zone von dem Arzt Ernst Gräfenberg berichtet. Seinerzeit wurde von der G-Zone berichtet, welche als erogene Zone in der Vagina beschrieben wurde.

Trotz aller Forschungen, gibt es aber immer wieder verwirrende Meldungen, dass der G-Punkt gar nicht existieren würde. In der medizinischen Forschung liegt der Fokus stark auf der Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit, weswegen Untersuchungen bezüglich der weiblichen Ejakulation und dem G-Punkt doch intensiver und ausführlicher praktiziert werden müssten, um genaues sagen zu können.
Für die meisten Frauen existiert er. Für viele Kritiker nicht.

Was sagen die Kritiker?

Der G-Punkt ist keine klar abgegrenzte Struktur im Körper, weswegen es vielen Wissenschaftlern schwer fällt, ihn anzuerkennen.
Die wissenschaftliche Anerkennung ist hierbei vielleicht auch gar nicht entscheidend, sondern eher was die Frauenwelt und deren Partner damit anfangen können.
Denn trotz Kritik können Frauen rund um die Erdkugel G-Punkt-Orgasmen, – Stimulationen und Ejakulationen genießen und erleben. Natürlich erlebt ihn jede Frau anders, doch die Mehrheit beschreibt diese Art von Orgasmus als meist intensiver und tiefgehender als die klitorale oder vaginale Stimulation.

„Wenn es ihn gäbe, wüssten die Gynäkologen darüber Bescheid!“

Nein, leider nicht! Denn in den Lehrstätten und Universitäten werden lediglich Themen wie Krankheiten oder die Fortpflanzung gelehrt, nichts über Lust und Genuss. Es geht dort um Schwangerschaften, Verhütung oder die Fruchtbarkeit. Die Orgasmen einer Frau spielen hierbei keine Rolle und wurden auch in der Wissenschaft wenig untersucht. Dieses wohl darin begründet, dass es sich bei Orgasmen nicht um ein zu beobachtendes Phänomen handelt, sondern im Zusammenspiel mit Körper und Geist statt findet.

„Es gibt Frauen mit und ohne G-Punkt“

Das dürfte in dieser Art so nicht gesagt werden, denn es gibt lediglich Frauen mit einem ausgeprägterem und weniger ausgeprägtem G-Punkt, doch anatomisch besitzt jede Frau die G-Zone. Manche wurden an dieser Stelle vielleicht noch nie stimuliert oder kommen geistig oder emotional nicht in die erforderliche Stimmung und haben ihn deswegen noch nicht erleben können, denn er wird erst bei starker Erregung spürbar.

„Alle Frauen lieben G-Punkt-Orgasmen!“

…und alle Frauen lieben die Farbe Rosa. Selbstverständlich nicht. In der Sexualität ist es wie in allen anderen Lebensbereichen auch, Geschmäcker, Präferenzen und Gelüste sind individuell und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
Der G-Punkt ist kein „magischer Schalter“, der umgelegt werden kann und jede Frau in einen Ausnahmezustand der Ekstase und zu multiplen Orgasmen führt. Manche treibt er in Ekstase, andere zur Flucht. Also sollte hier nichts verallgemeinert, sondern die persönlichen Bedürfnisse berücksichtigt und respektiert werden.

„Bei richtiger Stimulation ejakuliert jede Frau!“

Auch diese vielfach zu findende Aussage erscheint nicht zutreffend. Manche Frauen erleben einen Orgasmus ohne es gewollt zu haben, andere trotz Bemühungen und vieler Versuche nicht.
Dies hängt nicht davon ab, wie erfahren oder entspannt eine Frau ist. Generell ist jedes weibliche Wesen anatomisch gesehen in der Lage zu ejakulieren. Was im Endeffekt tatsächlich dazu führt, dass eine Frau ejakuliert oder nicht, ist in der Wissenschaft offenkundig bis heute nicht eindeutig geklärt, jedoch existieren Vermutungen, die mit der weiblichen Anatomie zusammenhängen. So wie beispielsweise die These, dass bei der weiblichen Ejakulation der Ausgang der Harnröhre, also dort wo das Ejakulat heraus gelangt, durch das Schwellgewebe die Klitoris und der G-Punkt zusammen gedrückt werden, woraufhin das Ejakulat den Weg mit dem geringsten Widerstand sucht, denn grundsätzlich bleibt auch der Zugang zur Blase erhalten.
Eine weitere Vermutung ist, dass die Ursache mit der Aktivität und der Existenz der Skene-Drüsen und ihrer Verbindung zur Harnröhre zusammenhängt.
Frauen können jedoch auch „nach innen“ ejakulieren. Dies lässt sich leicht überprüfen, indem man nach dem G-Punkt-Orgasmus das stille Örtchen aufsucht. Ist der Urin hinterher klar und geruchlos, handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein nach Innen geflossenes Ejakulat.

Die Forschung müsste wohl interdisziplinärer zusammen arbeiten, um die Funktionsweise zwischen Körper und Geist besser zu entschlüsseln.

Ansprüche und Leistungsdruck sind jedoch das letzte, was der gute Akt der Liebe benötigt. Deswegen solltet Ihr Euch am besten von der Idee lösen, dass etwas bestimmtes passieren muss. Die Hauptsache ist doch, dass es Euch Spaß bereitet!